Wie alles anfing
Rabatz entsteht aus einer persönlichen Geschichte. Kai Uwe Diel lebte als Kind und Jugendlicher im Kinderdorf Duisburg e.V. Was er dort und danach erlebt hat, hat ihn nie losgelassen. Vor mehr als zwölf Jahren begann er, sich für die Aufarbeitung in seiner damaligen Einrichtung einzusetzen. Er schrieb an Behörden, Träger, Politik, Verbände und Beratungsstellen. Es waren unzählige Anfragen. Oft kam keine Antwort, oft wurde er weitergereicht, und manchmal blieb es bei Zusagen ohne Folgen. Gleichzeitig meldeten sich immer wieder Menschen bei ihm, die Ähnliches erlebt hatten, aus anderen Einrichtungen, Städten und Jahrzehnten.
Aus dem Einsatz wurde eine erste Kampagne unter dem Namen „Meine Stimme gegen Kindesmisshandlung“. Im Herbst 2024 startete er eine Petition zur Aufklärung der Vorgänge, die im Juli 2025 und im Oktober 2026 erneut eingereicht wurde. Dazu kamen öffentliche Aktionen und viele Gespräche. Dabei wurde immer deutlicher: Es fehlt nicht nur an Aufklärung im Einzelfall, sondern an einem Ort, an dem Betroffene dauerhaft Gehör, Begleitung und Rückhalt finden.
Oktober 2026: Gespräche mit Zusagen
Im Oktober 2026 kam es dann endlich zu Gesprächen mit dem Jugendamt Duisburg und der Leitung (Vorstand) des Kinderdorf Duisburg e.V. Beide Seiten haben zugesagt, die Aufarbeitung gemeinsam und transparent anzugehen und zugleich eingeräumt, dass sie erst durch den offenen Brief von den Vorwürfen erfahren haben. Das Jugendamt Duisburg hat außerdem eine feste Ansprechperson und regelmäßigen Austausch zugesagt. Wir werten das als einen wichtigen ersten Schritt. Ob daraus Aufarbeitung wird, zeigt sich erst in den kommenden Monaten, und wir werden hier darüber berichten.
Warum Rabatz?
Eine einzelne Stimme wird überhört. Viele Stimmen nicht. Deshalb gründen wir Rabatz:
als Verein, der von Betroffenen getragen wird, der dauerhaft arbeitet und der bleibt, auch wenn die Aufmerksamkeit nachlässt.
Ein Verein kann, was Einzelne nicht können:
Druck aufbauen
Wir bündeln unsere Erfahrungen, damit aus einzelnen Fällen ein Muster wird, das Politik und Verwaltung nicht mehr wegschieben können.
Öffentlichkeit herstellen
Mit Kampagnen, Kundgebungen, Pressearbeit und Veranstaltungen tragen wir das Thema dorthin, wo es lieber nicht verhandelt wird.
Politik zur Rede stellen
Wir stellen Anfragen, schreiben Stellungnahmen, fordern Antworten ein und bringen Betroffene in Anhörungen und Gremien.
Aufarbeitung einfordern
Wir begleiten Verfahren, dokumentieren Zusagen und prüfen, was aus ihnen wird.
Bündnisse schließen
Wir wollen mit Careleaver-Netzwerken, Selbsthilfegruppen, Fachverbänden und anderen Initiativen zusammenarbeiten, damit wir gemeinsam lauter werden.
Dranbleiben
Aufarbeitung dauert Jahre. Ein Verein hat einen langen Atem und bleibt, auch wenn einzelne Personen müde werden.
Der Name sagt, was wir tun: Rabatz machen, wenn Kinder und Jugendliche nicht gehört werden.
Laut, wo es nötig ist, und beharrlich, bis sich etwas ändert.
Wie es weitergeht
Wir gründen den Verein, bauen Schritt für Schritt Angebote auf und suchen Menschen, die mitmachen